Unsinniger Donnerstag, Weiberfastnacht, „Dirty Thursday“, Karneval oder Fasching: Egal wie es genannt wird, gefeiert wird überall – ABER überall unterschiedlich.
Karneval ist eines der fröhlichsten und lebendigsten Feste in Europa. In dieser Zeit stehen allgemein die Ausgelassenheit, das Feiern, das Tanzen und das Lachen im Vordergrund. Der Alltag darf mit seinen Sorgen und Ängsten in den Hintergrund treten. Die Wurzeln von Karneval reichen weit zurück, weil Menschen schon immer den Winter-Blues vertreiben wollten. Später gönnten die christlichen Kirchen ihren Gläubigen noch den Kehraus, bevor die 40-tägige, früher oft strenge Fastenzeit begann.
Der Begriff „Karneval“ stammt vermutlich aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Abschied vom Fleisch“. Die Karnevalstage galten symbolisch als letzte Gelegenheit zum Schlemmen, bevor mit Beginn der Fastenzeit Fleisch, Milchprodukte und andere reichhaltige Speisen oft eingeschränkt waren.
Karneval ist so bunt wie die Welt und hat viele Namen und viele unterschiedliche Traditionen.
Bei Italien fällt den meisten sofort der Karneval in Venedig mit seinen eleganten, schönen Masken und historischen Gewändern ein. In Ivrea hingegen findet die „Orangenschlacht“ statt, bei der sich die Menschen mit Orangen bewerfen.
In der Schweizer Fasnacht sieht man oft Masken (Larven oder Tschäggättä), die manchmal grotesk und teilweise unheimlich wirken. Hier gibt es strenge Regeln und Abläufe für die Umzüge. In Basel startet das Ganze morgens um 4.00 Uhr mit Piccoloflöten und Trommeln.
In Deutschland ist ein wichtiger Tag der Unsinnige Donnerstag, auch Weiberfastnacht genannt. Frauen übernehmen symbolisch die Macht, schneiden Krawatten ab und alle feiern gemeinsam in fantasievollen Kostümen. Der Höhepunkt des Karnevals ist der Rosenmontag mit seinen prächtigen Umzügen, geschmückten Wagen und dem Werfen von Süßigkeiten, was vor allen Dingen bei Kindern beliebt ist.
In Spanien und Portugal stehen die Musik und der Tanz mehr im Mittelpunkt. Hier haben die Tänzer:innen oft aufwendige Kostüme an. Vieles ist lateinamerikanisch geprägt.
Für englischsprachige Länder wirkt all das eher ungewohnt. Im Vereinigten Königreich – und in weiten Teilen der USA – gibt es kein direktes Pendant zu dieser Karnevalssaison, die vor der Fastenzeit gefeiert wird. Die Gründe dafür gehen über unterschiedliche Begriffe hinaus und liegen tiefer in der Kulturgeschichte.
Warum aber ist die närrische Zeit am Vereinigten Königreich vorbeigegangen? Die protestantische Reformation im 16. Jahrhundert schwächte dort den Einfluss katholischer Ritualzyklen auf den Alltag erheblich. Zwar blieben Bräuche wie die Tage vor der Fastenzeit (Shrovetide) oder der Pancake Day in England erhalten, doch das größere Gefüge aus festlichem Schlemmen, Maskentragen und öffentlichem Feiern konnte sich nicht in gleicher Weise etablieren. So fehlten die kulturelle Dynamik und die gemeinsame Praxis, aus der sich eine starke, öffentlich gelebte Karnevalstradition im Vereinigten Königreich hätte entwickeln können.
Trotz aller Unterschiede verbindet alle Karnevalisten eines: das gemeinsame Feiern, das Lachen, das Gefühl von Freiheit und das Ende am Aschermittwoch. An diesem Tag kehren der Alltag und die Arbeit zurück, doch die Erinnerungen an die fröhlichen Tage bleiben.
Seid ihr eher Faschingsfreaks oder Faschingsmuffel?
